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Chromatography

Scholten & Baijings über die neuen Sofas, Textilien und die aktuelle Ausstellung auf der Salone del Mobile 2017

Dieses Jahr präsentieren Herman Miller und Maharam auf der Salone del Mobile, Mailand, die Ausstellung „Chromatography: The Colour World of Scholten & Baijings“, um die neue ColourForm Sofa Group einzuführen und Licht auf unsere Partnerschaft mit dem niederländischen Designerpaar zu werfen. Als Lebensgefährten und Arbeitskollegen haben Stefan Scholten und Carole Baijings schon Jahrzehnte damit verbracht, ihren skurrilen Minimalismus zu perfektionieren, bei dem Muster und Texturen, sanfte Farben und eine subtile Geometrie zu erstaunlichen Möbeln, Stoffen und Objekten verschmelzen. Zusätzlich zum ColourForm werden die beiden auch ein Trio von neuen, farbenfrohen Stoffen enthüllen. WHY hat das Paar vor Kurzem interviewt, um seine Meinung zu Komfort, Kreativität und warum alles mit Farbe beginnt, zu erfahren.

Erzählen Sie uns etwas zu „Chromatography“, der derzeitigen Ausstellung Ihrer Arbeit im Herman Miller Ausstellungsraum auf der Salone del Mobile.

Carole Baijings: Die Ausstellung ist eine Kombination unserer eigenen Handschrift und Herman Millers DNA.

Alle Textilien, die wir für Maharam hergestellt haben, hängen von der Decke und darunter stehen die Elemente unserer neuen ColourForm Sofa Group. Die verschiedenen Präsentationen sind unserem Designprozess gewidmet. Dazu zählt auch ein Film, den wir gemeinsam mit Herman Miller gedreht haben. Wir halten es für wichtig, Menschen die Komplexität hinter der Einfachheit zu zeigen. Wir arbeiten fast wie Künstler und machen unsere Farben und Stoffe selbst. Farbe ist immer der Ausgangspunkt.

Es ist interessant, dass alle Textilien, die wir in der Ausstellung verwenden, vorher davon unabhängig für Maharam entworfen wurden, aber sie haben sich einfach ideal in das Design des ColourForm eingefügt. Da gibt es eine Übereinstimmung bestimmter Themen wie Gitter, Transparenz und Schichtung.

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Sie haben für Maharam schon eine Menge Textilien hergestellt, aber ColourForm ist Ihre erste Möbelserie für Herman Miller.

Stefan Scholten: Unsere Arbeits- und Wohnräume verschmelzen immer mehr. Heutzutage kann ein Sofa wie ColourForm ein universelles Design sein - Sie könnten es in einem Wohnzimmer ebenso antreffen wie in einem Büro oder Hotel. Ich meine, wir haben in gewissen Sinn unsere europäischen Vorstellungen von Komfort in diesem Projekt verkörpert! Beim Komfort scheint es mir einen großen Unterschied zu den Vereinigten Staaten zu geben. Ich finde die Sofas dort viel härter. Das ist zumindest meine Erfahrung von Hotels. Ich habe den Eindruck, dass in den USA der Abstand zwischen dem Heim- und dem Vertragsmarkt größer ist, ein Abstand, der sich seit einiger Zeit in Europa schließt.

Wie haben Sie die ColourForm Sofa Group entwickelt?

CB: Wir wollten von Anfang an ein Sofa mit Holzgestell entwickeln - wir arbeiten gerne mit Holz - und wir wollten, dass die Polster drapiert aussehen, als wären Decken über einen Rahmen gehängt worden.

Den Zeichnungen folgten etwa sechs Modellphasen. Wir haben auch Modelle gebaut, um Herman Miller zu zeigen, wie die Textilflächen auf dem Rahmen aussehen sollten. Das war noch, bevor wir zur Prototypphase übergingen - Prototypen sind teuer, also wollten wir, dass das Design davor schon möglichst gut ausgearbeitet war.

Das Wichtigste bei allen unseren Produkten ist ihre Einfachheit. Unser Fokus ist Farbe. Also produzieren wir grundsätzlich relativ minimalistische Designs, die den Farben und Details erlauben, in den Vordergrund zu treten. Bei einfachen Modellen wie den unseren müssen die Farben und Details perfekt sein. Für das Sofa haben wir einen neuen Stoff - Tracery - für Maharam entworfen. Bei Tracery erhält ein einfarbiger Look durch das Muster Struktur und Relevanz.

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Wo wir von Tracery sprechen, Sie führen auf der Salone auch ein Trio von Stoffen für Maharam ein.

SS: Das ist richtig. Für Tracery haben wir zunächst von Hand Raster auf Pappe genäht und kontrastreiche farbige Fäden verwendet. Wir haben die Idee dann verfeinert, indem wir die Gitter auf Stoff genäht haben, bevor wir sie zum Textilmuseum in Tilburg hier in den Niederlanden brachten, um sie zu testen. Das ist ein Ort, an dem wir oft experimentieren, wo wir mit dem Maßstab spielen können, um zu sehen, was funktioniert und was nicht. Das Ergebnis war ein Prototyp für den Stoff, den wir Maharam vorlegten.

Natürlich musste er für die Produktion und für die Verwendung an Möbeln angepasst werden: Unsere ursprüngliche Idee wies erhabene Nähte auf, die beim Sitzen beschädigt werden könnten. Zusätzlich zu Tracery entschieden wir uns für den Maharam-Stoff Pare, für den wir neue Farben ausgewählt haben. Außerdem haben wir eine Steppstoffversion als zusätzliche Option für die Serie entwickelt, die ihr einen jüngeren, cooleren Look gibt.

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Sie haben die Farbe als Ausgangspunkt für Ihre Arbeit bezeichnet. Können Sie das etwas näher erläutern?

CB: Wir probieren zunächst immer viele Farben auf einer Leinwand aus. Dieser matte Kreidelook ist etwas, was wir beizubehalten versuchen. Für dieses Projekt haben wir mit 44 Farben begonnen. Zu viele, aber wir wussten, dass während des Designprozesses einige davon wegfallen würden. Herausgekommen sind 17 Pare-Farben, 5 verschiedene Farboptionen für den Pare-Steppstoff und 11 Optionen für Tracery. Wir haben auch ein paar Farboptionen für das Holzgestell des Sofas hinzugefügt - wir entschieden uns dabei für mattes Holz mit sichtbarer Maserung.

SS: Natürlich ist es etwas anderes, Farben für ein Sofa auszusuchen als für einen Teller. Mit einem Sofa verbringt man sehr viel Zeit, also muss die Farbe langlebig, raffiniert und eher dezent sein. Aber wir lieben auch echte Statements, also umfasst unsere Reihe auch ein paar auffallende Farben. Wir wissen natürlich, dass Innenarchitekten eine große Auswahl brauchen, also gibt es auch etwas, das wir als unsere „weichschwarze“ Option bezeichnen, für alle, die keine Farbe wollen.

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ColourForm klingt recht flexibel mit verschiedenen Textilien, Konfigurationen und sogar farbigem Holz.

SS: Ja, absolut. Es gibt verschiedene Sitzkomponenten, und Sie können ganz nach Wunsch eine beliebige Kombination aus Stoff, Farbe und Holz wählen. Verbraucher sind es heutzutage gewohnt, Produkte persönlich gestalten zu können, deshalb wollten wir natürlich, dass das ganze System sehr vielseitig ist. Dessen ungeachtet können Sie auch unsere eigenen bevorzugten Kompositionen , die Reihe „Designer's Choice“ wählen. Eine persönliche Kombination sollte möglich sein, aber es erscheint uns auch wichtig zu zeigen, wie wir uns das ColourForm vorstellen.

Wie hat Ihre Zusammenarbeit mit Herman Miller begonnen?

SS: Wir begannen vor ein paar Jahren, für Maharam zu arbeiten und Stoffe zu entwerfen, die dann verwendet wurden, um einigen klassischen Modellen von Herman Miller eine frische Note zu geben. Dann stellte sich natürlich die Frage, warum wir nicht unsere eigenen Möbel für Herman Miller herstellen. In den letzten zwei Jahren haben wir viel an dieser Serie gearbeitet.

Wird es in diesem Sinne weitergehen?

CB: Das hoffen wir - mit unseren Kunden haben wir normalerweise lange Beziehungen, die wir als beiderseitigen Lernprozess betrachten. Es ist eine große Ehre, für Herman Miller zu arbeiten. Wir schätzen die kreative Freiheit, die das Unternehmen seinen Designern gibt, und sind der Meinung, dass wir schon voneinander gelernt haben. Wir haben Herman Miller zum Beispiel überzeugt, neue Holzfarben für das Gestell von ColourForm zu entwickeln, etwas, was man dort normalerweise nicht tut. Andererseits haben wir uns etwas von Herman Millers Wissen über verschiedene Märkte und Verbraucherverhalten angeeignet. Wir wissen, dass wir noch viel mehr lernen können - vor allem, was die Erfahrung auf dem Markt der Büromöbel angeht. Das ist ein Bereich, auf den wir unsere Vision in Zukunft gerne ausweiten würden. 

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Natürlich ist es etwas anderes, Farben für ein Sofa auszusuchen als für einen Teller. Mit einem Sofa verbringt man sehr viel Zeit, also muss die Farbe langlebig, raffiniert und eher dezent sein. Stefan Scholten

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